Foto: Ute Haller

Aus dem Alltag einer familienfrau

O Du Fröhliche

....Vorweihnachtszeit! Es begann schon Ende November damit, dass unser jüngster

eines morgens mit glasigen Augen und roten Wangen herumlief. Kein Kandidat für die Schule – also zuhause bleiben. Ich sagte Schule und Fahrdienst Bescheid, vielleicht ist es ja bald rum, ich würde mich morgen wieder melden. Das ging so drei Tage lang bis...

 

.O Tannenbaum

Der Weihnachtsbaum – Ich hätte nie gedacht, wie wichtig er für unseren autistischen Sohn ist! Zugegeben, er stand nah beim Sofa an Toms Lieblingsecke , und es sah immer so aus, als ob er sich ein bisschen an die Zweige kuscheln würde. Als wir unser Wohnzimmer umräumten und das Sofa mehr Platz beanspruchte...

.Alltagswahnsinn

Morgens ist die Welt noch in Ordnung, ich denke noch über die Gespräche gestern nach.

Elterngespräch mit Toms Ärztin über seine Entwicklung als Autist  und im Allgemeinen, ihr eindrücklicher Rat: „Da müsset Sie au mal streng sein – net nachgebe!“ Später dann mit der Tochter beim Käfer Otto Peter – sorry, seit ich Axel Hackes Versprecher-Buch gelesen habe, krieg ich das Wort Kieferorthopäde 

Schnell was streichen

Netter Geburtstag

Es gibt nur wenige Tage im Jahr, da hoffe ich mehr als sonst, dass es ein friedlicher Tag ohne unerwartete Zwischenfälle wird.

Am Tag vorm Urlaub, Weihnachten, wichtigen Ereignissen und eigentlich auch an meinem Geburtstag.

Es begann schon am Vorabend, ein Samstag. Mein autistisches Kind verletzte sich - vermutlich beim Besteck einräumen – mit einer Gabel am Auge, also innen an der Hornhaut. Er rieb daran herum und sah mich vorwurfsvoll aus rotem Auge an.

Tja, Notdienst oder nicht – lange Wartezeiten ließen uns zögern. Vor einigen Jahren verbrachten wir schon mal einen Muttertag stundenlang im Wartebereich wegen einer Platzwunde, während die Ärzte diskutierten ob Nähen oder Kleben besser wäre...

Vielleicht verging es ja über Nacht - hoffte ich. Tat es nicht, also dann am Geburtstag selber - nach versuchten gemütlichem Frühstück - suchten wir doch den diensthabenden Augenarzt auf. Immerhin kamen wir gleich dran, ein verständnisvoller älterer Arzt, der sich auf Tom einliess, uns beruhigte und eine Salbe mit Heilwirkung versprach – das wars auch schon. Puh, aufatmen.

Zumindest hatte ich schon geschafft, meine Post zu öffnen und die Geschenke meiner Familie zu begutachten..!

Zur Feier des Tages wollten wir Essen gehen und was Neues ausprobieren – Thaicross Cuisine oder so. Das war im Prinzip auch o.k., bloß gab es bei der Bestellung schon Kommunikationsprobleme und wir bekamen statt fünf nur vier Gerichte, was wir aber nicht gleich korrigierten. Dann war es zu spät. Tom schnappte sich Papas extra scharfen Reis – den er hungrig in sich hineinschaufelte, bis sich erste Würgegeräusche einstellten. Durch jahrelange Übung reagierte ich schnell und konnte mit Hilfe von Servietten Schlimmeres verhüten. Ich spürte förmlich die verzweifelten Blicke meiner Tochter, die einfach nur in Ruhe etwas Nettes essen wollte. Letzlich teilten wir dann alles unter fünf auf bzw. hinderten mühsam Tom am Weiteressen.

Moritz experimentierte solange mit den Stäbchen – Eis essen, ganz toll. Dann Pyramide aus Gläsern bauen - 

Reinhard Meys Lied über Familienessen beim Italiener harmlos dagegen. Nicht ganz satt und zügig verliessen wir das Lokal.

Nachmittags dann der Versuch, mit einigen Freundinnen Kaffee zu trinken. Habe das Gefühl, all die guten Wünsche verbrauche ich schon gleich am ersten Tag!

Tom saß mit rotem Auge friedlich am Sofa, Julian spielte draußen Verstecken mit seinen Freunden.

Ich hatte es immerhin schon einmal geschafft, vom Kuchen zu probieren, als er jammernd und humpelnd wieder kam – hatte sich den Fuß am Zaun eingeklemmt, während sein Bein schon unterwegs war – so ähnlich lautete sein Bericht. Im Geiste sah ich mich schon wieder mit ihm beim Orthopäden sitzen, Krücken besorgen, Sportbefreiung beantragen – Nee, oder?

Ich beschloss erst mal, einen zweiten Schluck Kaffee zu nehmen und abzuwarten - dann ging es ihm zum Glück schon wieder besser.

Den Rest des Tages verdonnerte ich die Jungs zum DVD schauen - einfach nur auf dem Sofa sitzen, ohne spitze Gegenstände oder Schnüre, mit Sicherheitsabstand zum anderen, am Besten gar nicht bewegen, auf keinen Fall aufstehen!

Ich will einfach nur mal kurz spüren, wie es ist, Geburtstag zu haben...

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Farbenfrohes Einkaufen

Unser besonderes Kind hat mal wieder schulfrei, ein leichter Infekt, also nicht so schlimm, dass man nicht mit einkaufen kann.

Und das hatte sich Mutter eben exakt für diesen Vormittag vorgenommen.

Mit dem Versprechen, danach noch im Baumarkt in der Dachrinnenabteilung vorbeizuschauen, lockte ich meinen Sohn aus dem Haus.

Lange würde es eh nicht dauern, ich musste mich auf das Nötigste beschränken und schnell entscheiden – quasi Speed Shopping.

Zum Glück war wenig los. Außer uns befanden sich noch drei Verkäufer und vier Kunden auf der Lampen-Einrichtung-Bäder Etage, es war offen und übersichtlich. Während ich eilig im Farbregal verschiedene Farbkärtchen einsammelte und schnelle Blicke über Tapetenmuster warf, hörte ich Tom im Flur herumnölen. Kurze Kontrollblicke zeigten mir, dass er im Hauptflur bei den Aktionstischen zugange war und Plastikbehälter testete. Eine andere Kundin schaute mich befremdlich an, als ich hektisch um die Ecke zu den Vorhängen bog.

Da – das Geleiere war zu einem mehr hilfesuchenden Ruf geworden, das erforderte zügige Klärung. Zuerst konnte ich ihn nicht entdecken, dabei hatte er immer die auffällig knallblaue Jacke an – aber völlig klar, da registrierte ich bei den großen Meatallgitterkörben zwei strampelnde Füsse,

Tom war in den Behälter mit den Dekokissen rücklings reingerutscht und kam nicht mehr hoch.

Ich konnte mir ein Lachen nicht verkneifen  Immerhin lag er bequem, also nichts Schlimmes. Ich half ihm wieder heraus, versuchte noch zwei Minuten Umschauzeit herauszuhandeln, was er mißbilligend quittierte.

Schnell noch mal zu den Farben, einen kurzen Moment tauche ich ein in andere Welten, die da hießen „Steinblaue Schönheit“, „Erwachen des Frühlings“ oder „Ausklang des Sommers“,erfreute mich an elegantem Blaugrau und edelmütigem Patinagrün, bevor mich die Realität wieder einholte. Mit wachsamen Blick der blauen Jacke folgen, was jetzt auch einer der Mitarbeiter machte, da deren Besitzer eine Packung Strohhalme genußvoll abschleckt...

Also jetzt endlich zu den versprochenen Dachrinnen, unterwegs auf der Rolltreppe noch schnell Batterien und Spülbürsten einsammeln, braucht man immer, schon saust er los zu seiner Lieblingsabteilung. Da wiederum blüht er auf, betastet liebevoll verschiedene Teile – Rinnen offen und geschlossen, Endstücke, Verbindungen in verschiedenen Ausführungen. Besonders angetan hat es ihm das glänzende Dunkelbraun und sehnsüchtig nimmt er ein zwei-Meter Teil in die Hand und schaut mich fragend an. 

Nicht schon wieder – vor allem weil wir zwei so Teile schon als Riesenmurmelbahn deklariert im Kinderzimmer stehen haben...! Leider nicht, lautet meine Antwort. Auch wenn ich es gut finde, dass er als 10jähriger sinnvoll sein Taschengeld für Dachrinnen ausgibt...da bin ich flexibel geworden. 

Also zügig zur Kasse, der Kunde vor uns ist schon beim Bezahlen, aber das reicht locker für einen Vorsprung und so kann Tom noch in der Vorhalle die Stapelboxen umsortieren, bis ich meine wenigen Sachen bezahlt und zusammengerafft habe.

Ich bin ja schon immer froh, wenn er die automatische Tür ohne Komplikationen passiert  - noch eine Minute länger an der Kasse und er wäre vermutlich  durch die Aussentür und auf den Parkplatz gerannt. Immer noch berauscht durch die wunderbaren Farbwelten und Begriffe schreite ich durch den Ausgang anstatt wie üblich hektisch zu rennen – vielleicht wäre das ja mal ein neues Einkaufsmotto:

Elegante Gelassenheit.

 

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© Ute Haller