Blog über Familie, AlltagsWAHnsinn, Glaube & Autismus

Eine sechsköpfige Familie einschliesslich autistischem Kind - da wird es nicht langweilig.

Ich muss mir keine Geschichten ausdenken, sondern einfach nur Notizen machen, was passiert ist, was gesagt wird.

So füllt sich die Geschichtensammlung.

Durch das Schreiben gewinne ich wieder Abstand und kann im Nachhinein über manches lachen, was mir vorher Nerven kostet. 

Auch wenn es anstrengend klingt - ich würde nicht tauschen wollen und liebe meine Familie!

O Tannenbaum

 

Der Weihnachtsbaum – Ich hätte nie gedacht, wie wichtig er für unseren autistischen Sohn ist! Zugegeben, er stand nah beim Sofa an Toms Lieblingsecke , und es sah immer so aus, als ob er sich ein bisschen an die Zweige kuscheln würde. Als wir unser Wohnzimmer umräumten und das Sofa mehr Platz beanspruchte, beschloss ich, dass ein kleinerer Baum ausreichen würde. Sonst hatten die männlichen Mitglieder unserer Familie sich immer ein ansehnliches Exemplar ausgesucht, das die Decke streifte und den Zugang zur Terrasse verbaute. Diesmal gab sich Gelegenheit auf dem ortseigenen Weihnachtsmarkt, und ich bestellte mit Lieferung frei Haus kurzentschlossen eine handliche Tanne, während sich mein Sohn nichtsahnend ins Karussell  gequetscht hatte und fröhlich seine Runden drehte und mein Mann seinen Glühwein schlürfte.
 

Als dann der Baum kam und aufgestellt wurde und die älteren Geschwister ihn schmückten, kam die Erkenntnis. Heulend und jammernd sass Tom auf dem Sofa, ich wußte erst gar nicht, was los war. Als er sich beruhigt hatte reichte ich ihm die FC-Tafel und er tippte:

ICH VERSTEHE NICHT WARUM IHR SO EINEN KLEINEN BAUM GEKAUFT HABT.

ICH MÖCHTE LIEBER EINEN GRÖSSEREN.

Ich versuchte zu erklären, warum und wieso, und das es weniger Platz gibt und überhaupt, Du bist so groß geworden, deswegen kommt Dir auch der Baum kleiner vor... Alles umsonst. Anklagende Blicke trafen mich und er überließ sich seinem Schmerz. Also echt, zusätzlich noch zum Weihnachtsstress das Theater wegen der Baumgröße...

Ich klagte unserer Familientherapeutin mein Leid –was sollte ich noch machen? Sie erklärte mir, dass es zuerst wichtig wäre, auf die Gefühle meines Sohnes einzugehen und sie ihm zu erklären und widerzuspiegeln:

„Du bist wütend und enttäuscht, weil der Baum kleiner ist als im letzten Jahr. Du hattest Dich vielleicht schon gefreut, wieder neben einem großen Baum zu sitzen und die Zweige zu spüren. Das tut mir leid.“ Dann sollte erst die Erklärung kommen. Das leuchtete mir ein – bei nächster Gelegenheit probierte ich es aus und er beruhigte sich viel schneller und hörte mir aufmerksam zu. Auch bei Konflikten in der Familie oder Frust über die eigene Behinderung hatte ich den Eindruck, dass es ihm guttat, ihm bei der Einschätzung seiner Gefühle zu helfen, ohne dass sich gleich eine Lösung ergab. Zumindest war die Weihnachtsstimmung gerettet, ein leichter Schmerz blieb.
 

Im darauffolgenden Jahr besprachen wir das Baumthema rechtzeitig,

und natürlich gab es konkrete Vorstellungen seinerseits: ICH MÖCHTE EINEN GROSSEN BAUM DER BUNT GESCHMÜCKT IST UND RICHTIG VOLL MIT ALLEM MÖGLICHEN. Alles klar - Tom ging mit Papa den Baum einkaufen und ich erweiterte unser Strohsterne und Glaskugelsortiment um bunte Autos, Glitzerengel und Lametta und eine zusätzliche bunte Lichterkette – Weihnachten kann kommen!

Nichts ist dauerhaft

 

Manchmal geht tagelang alles gut, dann wieder häufen sich die Ereignisse.

So auch neulich:

Erst brach die Plastikschnalle an Julians neuem Schulrucksack ab – der war dann erst mal nicht mehr zu tragen. Mehrere Fachgeschäfte klapperte ich erfolglos ab, bekam verschiedene Ratschläge zu hören, u.a. :“Am Besten gleich einen neuen Kaufen“ „Der ist nagelneu!!“ widerspreche ich empört. Endlich gibt mir jemand den Tipp, es beim Sportausstatter zu versuchen – und siehe da, zu meiner Freude entdecke ich alle möglichen Verschlüsse und Schnallen als Einzelstücke zu lächerlichen Centpreisen. Nähen krieg ich selber hin...

Dann riss die Stoffnaht an Julians Schultertasche auf. Zum Glück war da schon Freitag, dachte ich, erst mal Schluss mit kaputten Schulsachen...

Am Wochenende war er auf Freizeit und kam – wie sollte es anders sein -  mit einem Schlafsack wieder, dessen Reißverschluss nicht mehr funktionierte.

„Also ehrlich, Mami, ich meine, ich mach doch gar nichts, das taugt eben alles nicht...“verteidigte er sich empört, als er meine vorwurfsvollen Blicke bemerkte.

 

Montagabend bemerkte mein Mann, der Elektroingenieur, ein Aufladekabel in der Steckdose, das notdürftig mit Tesafilm repariert war – ein absolutes NoGo!

Die Frage „Wer hat eigentlich...“ konnten wir uns sparen, denn natürlich, völlig absichtslos, war unserem Teenager das Handy samt Kabel aus der Hand geglitten und er gleich darauf getreten.

Dienstag mittag dann kam Julian von der Schule heim, seit einigen Wochen zeichnen sie in Kunst mit Tusche und Feder. Nicht das ich meinem Sohn nichts zutraue, aber es war mir völlig klar, das so ein kleines Tuschegläschen viel Risiko birgt....und prompt erzählt er, dass ihm die Tusche umgefallen wäre – aber so ein Glück, Mami, nur auf meinen Pulli und nicht aufs Papier...!

Ja so ein Glück, dass es ein alter dunkelgrüner Pulli war, denke ich mir.

Beim übernächsten Mal war es dann wieder soweit. Durch einen unglücklichen Zufall fielt ihm das Glas runter, der Deckel zerbrach – nur gut, dass Muttern vorsorglich alles in eine Tüte hatte.... Wieso kauf ich eigentlich kein Plastikgefäss??

 

10 Minuten noch, dann muss ich mit Simon zum Schwimmkurs los. Die Jungs spielen im Wohnzimmer,ich hole mir meine Zeitschrift und schaffe es gerade bis zum Vorwort, dann flötet Julian: „Ähh....Wo finde ich nochmal einen Lappen?“

Wie – Lappen?

„Na die Vase im Wohnzimmer, du weißt schon....“

Natürlich weiß ich, es -  dass mir nicht mal 10 Minuten Pause vergönnt sind...!!!

 

Rechtliche Hinweise:

 

Copyright: Ute Haller

Alle auf diesen Internet-Seiten enthaltenen Angaben wurden sorgfältig recherchiert und geprüft. Für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität können jedoch weder Ute Haller noch Dritte die Gewähr übernehmen. Dies gilt auch für Internet-Seiten anderer Anbieter, zu denen Sie über einen Link gelangen können, für den Inhalt dieser Seiten übernimmt Ute Haller keine Verantwortung.

 

Urheberrecht

Copyright 2016 Ute Haller

 

Alle Rechte vorbehalten. Alle Texte, Bilder, Grafiken und Fotos sowie deren Anordnung unterliegen dem Urheberrecht und anderen Gesetzen zum Schutze geistigen Eigentums. Sie dürfen ohne ausdrückliche schriftliche Genehmigung von Ute Haller weder für Handelszwecke oder zur Weitergabe kopiert, noch verändert und auf anderen Web-Sites verwendet werden.

Wichtiger Hinweis zu allen externen Links:

Mit Urteil vom 12. Mai 1998 - 312 O 85/98 - „Haftung für Links“ hat das Landgericht (LG) Hamburg entschieden, dass man durch die Anbringung eines Links, die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann - so das LG - nur dadurch verhindert werden, dass man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Hiermit distanziere ich mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf meiner Homepage und mache mir diese Inhalte nicht zu Eigen. Diese Erklärung gilt für alle auf dieser Website angebrachten Links.

 

Fotos:  Ute Haller

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Ute Haller Farbkunstwerke